5. Dezember 2020

Portrait: Engagierter Ruhestand im BFD ü27

Marion Sczepek: Nach dem Berufsleben in den Freiwilligendienst – und weiter ins Ehrenamt

Marion Sczepek hat 39 Jahre bei Post und Telekom gearbeitet. Über eine besondere Regelung konnte sie früher aus dem Berufsleben ausscheiden, mit Auflagen. Sie entschied sich für einen Freiwilligendienst in einem Essener Altenheim. Der ist im Mai zu Ende gegangen. Jetzt engagiert sie sich als Ehrenamtliche.

Ein Beitrag zum internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember
Eingang des Altenzentrums

Eingang zum Altenzentrum in Essen-Karnap

Weitere Informationen

Engagierter Ruhestand

Am 29. Oktober 2020 hat der 
Bundestag die Regelung zum 
"Engagierten Ruhestand" für 
Beamte bei Post, Postbank 
und Telekom bis 2024 
verlängert. 
Damit können Beamte aus den
Postnachfolgeunternehmen 
unter Auflagen weiter in den 
frühen Ruhestand wechseln. 

Sie haben dabei die
Wahl zwischen 1000 Stunden
Ehrenamt oder einem Jahr im
Bundesfreiwilligendienst.
Viele entscheiden sich für
den BFD, denn dieser bietet
eine besonders klar geregelte
Möglichkeit, die Bedingungen
an den Engagierten Ruhestand
zu erfüllen. 

Eine große Zahl der pensionierten
Beamten engagiert sich im Anschluss
weiter für Kinder, Jugendliche oder
alte Menschen.


„Marion Sczepek bringt Ideen 
und Impulse in unsere Einrichtung, 
wie andere Freiwillige  oft auch. 
Darüber freue ich mich sehr, das 
hilft uns, nicht Betriebsblind zu 
werden.“

Annette Gräwer, Leiterin des Ev. Altenzentrums am Emscherpark e.V.

Engagierter Ruhestand: Marion Sczepek

„Die ganzen 39 Jahre bin ich jeden Tag wirklich gerne arbeiten gegangen“, erinnert sich Marion Sczepek mit etwas Wehmut. Der Start im Freiwilligendienst war ihr dennoch leicht gefallen. „Ich war gleich Teil des Teams, hatte eine gute Anleitung und doch viele Freiheiten“ erzählt sie. Nach zwei Monaten als Freiwillige im Altenzentrum hatte sie schon zu sich gesagt: „Das hättest du auch 39 Jahre machen können“. 

Bildungstage

Etwas abschreckend fand Marion Sczepek die 15 Bildungstage im Jahr, die zum Freiwilligendienst bei der Diakonie RWL verbindlich dazu gehören. „Wo ich das gehört hatte, hatte ich gedacht, ach Marion, jetzt hattest du bei der Arbeit schon so viele Seminare, jetzt wieder 15 Stück in einem Jahr...“. Inzwischen bewertet sie das ganz anders: „In den Seminaren hat man ganz unterschiedliche Leute kennengelernt, das war total interessant. Wir sind sogar gemeinsam fünf Tage nach Berlin gefahren, das war eine super Erfahrung“, so Marion Sczepek im Rückblick. 
 

Marion Sczepek mit Handtüchern, am Tisch eine lachende Bewohnerin

Geselliges Miteinander beim Wäschefalten 

Sozialer Dienst

Zu ihren Aufgaben im Altenzentrum gehörte die Begleitung von alten Menschen zu Spaziergängen im anliegenden Park, die Mithilfe bei Festen und Ausflügen oder auch die Beteiligung an der Redaktion der hausinternen Zeitschrift.

Besonderen Spaß machte ihr die Leitung der „Donnerstag-Gruppe“. Dort falten Bewohnerinnen und Bewohner Handtücher, die frisch aber noch knautschig aus der Wäscherei kommen. „Vor Corona wurde dabei immer gesungen“, erzählt Marion Sczepek. „Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh, und sehet den fleißigen Waschfrauen zu“ war immer dabei. Und mit ihrer fröhlichen Energie ist es Marion Sczepek sogar geglückt, dass sich die Männer aus dem Wohnbereich beteiligen. „Obwohl viele erst sagen, nein, das möchte ich nicht … aber nachher einige dann doch“. „Ich musste das früher bei meiner Frau ja auch“, hatte ihr einer der Männer dann erzählt.  

Annette Gräwer im Gespräch mit einer Bewohnerin

Annette Gräwer, Leiterin des Altenzentrums, hört von den Bewohnerinnen und Bewohnern viel Gutes über das Engagement von Marion Sczepek.

Großes Ansehen

Bei Kolleginnen und Kollegen, Bewohnerinnen und Bewohnern ist  Marion Sczepek sehr angesehen, erzählt die Leiterin des Altenzentrums, Annette Gräwer. "Sie ist einfach eine Bereicherung für das ganze Haus und eine beliebte Gesprächspartnerin.“ Annette Gräwer freut sich, wenn neben den vielen jungen FSJlern in ihrer Einrichtung auch eine ältere Freiwillige dabei ist – wie Marion Sczepek. „Nach einem vielfältigem Berufsleben bringt Marion Sczepek sehr viel Flexibilität, Lebenserfahrung und Empathie mit. So wird sie von unseren Bewohnerinnen und Bewohnern sofort akzeptiert und gemocht“, berichtet Annette Gräwer. 
 

Marion Sczepek mit gefalteten Handtüchern

"Viele in der Gruppe sagen, das muss ordentlich sein. Dann dauert es manchmal ein bisschen länger."

Einstieg in langfristiges Engagement

Die Donnerstag-Gruppe ist eine der Aktivitäten, die Marion Sczepek, nun als Ehrenamtliche, regelmäßig weiterführt. „Also, nach dem Jahr, in dem so viele Beziehungen entstanden sind, nach der ganzen Herzlichkeit, konnte ich nicht einfach sagen, so das wars jetzt und ihr seht mich hier nie wieder“ erinnert sich Marion Sczepek. Das Miteinander sei immer noch schön, auch wenn sie jetzt, mit Corona, nicht mehr singen dürfen. Jetzt werde dafür mehr erzählt und gesprochen.

Regelmäßig begleitet sie auch noch eine Bewohnerin auf Ausflüge in den Park und in den Stadtteil. Die freut sich, weil sie sich allein unsicher fühlt und keine Angehörigen hat. Marion Sczepek macht das gern. „Die Sympathie zwischen uns war sofort da“, erzählt sie. Auch an der Durchführung von Festen beteiligt sie sich weiter.

Weitere Fortbildungen

Inzwischen ist Marion Sczepek Sprecherin der Grünen Damen und Herren im Altenzentrum. „In dieser Rolle werde ich wieder an vielen Fortbildungen teilnehmen, die das Diakoniewerk Essen organisiert“, berichtet Marion Sczepek – und freut sich drauf. 

Bericht: Christian Carls