8. Oktober 2019

Im Interview

Mathias Schmitten, neuer Leiter des Zentrums Freiwilligendienste

Mathias Schmitten ist neuer Leiter des Zentrums Freiwilligendienste der Diakonie RWL. Er folgt auf Jürgen Thor, der seit 1. Oktober im Ruhestand ist. Schmitten hat mehrere Jahre als Bildungsreferent für die Diakonie RWL gearbeitet und Freiwillige begleitet. Seit 2016 war er kaufmännischer Teamleiter im Zentrum Freiwilligendienste. Wir haben ihn gefragt, welchen Beitrag die Freiwilligendienste für eine bessere Welt leisten. 

Weitere Informationen

Abschied von Jürgen Thor

Nach 36 Jahren in der Begleitung von Zivildienstleistenden und Freiwilligen ist Jürgen Thor in den Ruhestand gewechselt. Im Videointerview wirft er einen Blick zurück.

» Jürgen Thor im Videointerview


Mathias Schmitten im Interview

„Ich habe die Arbeit mit Freiwilligen immer als extrem bereichernd wahrgenommen. Es war toll, junge Menschen auf ihrem Weg in der Zwischenzeit zwischen Schule und Beruf zu begleiten und zu erleben, wie sie sich in dem Jahr entwickeln“, erzählt Mathias Schmitten, der seit 2008 Bildungsarbeit für Freiwillige gemacht hat. Er hat erlebt, wie sehr die Arbeit in den Einsatzstellen von den Freiwilligen profitiert. „Durch die Freiwilligen kommt immer ein frischer Wind in unsere Einrichtungen, neue Fragen, Sichtweisen und Ideen. Das ist bereichernd für die Teams und gut für die Klienten“, sagt Schmitten. 

Im Gespräch

Seminargruppe mit jüngeren und älteren Freiwilligen

Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt

Besonders wichtig ist Mathias Schmitten der Beitrag, den die Freiwilligendienste zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. „Unsere Seminargruppen sind bunt, die Freiwilligen kommen aus allen Altersgruppen, mit ganz unterschiedlichen Bildungshintergründen, Lebenswelten und kultureller Prägung. Und sie sind in den unterschiedlichsten Feldern der sozialen Arbeit tätig“, erklärt Schmitten. Es glücke den Referentinnen und Referenten in der Begleitung der Gruppen fast immer, die Teilnehmenden in guten Kontakt zu bringen. Die Freiwilligen erweiterten so ihre Fähigkeiten, sich mit fremden Menschen zu verbinden. Dazu trage auch die politische Bildung bei, die Schmitten als Bildungsreferent für die Diakonie RWL weiter entwickelt und ausgebaut hat. 

Einstiegstor zur sozialen Arbeit

Mit rund 2000 Freiwilligen in diakonischen Einrichtungen seien die Freiwilligendienste der Diakonie RWL eine starke Schnittstelle bei der Gewinnung guter Nachwuchskräfte zum Beispiel in der Pflege, in Kitas oder der Jugendhilfe. „Die Einsatzstellen haben die Chance, junge Menschen für einen sozialen Beruf zu begeistern“, weiß Schmitten. Und die jungen Menschen haben die Chance, die richtigen Weichenstellungen für sich zu treffen - „wer einen Freiwilligendienst gemacht hat und dann in einen sozialen Beruf geht, weiß, was er tut und dass das die richtige Entscheidung ist“. 

Nebeneinander stehend

Staffelübergabe: Die ehemaligen Leiter des Zentrums Freiwilligendienste, Michael Brausch und Jürgen Thor, mit Mathias Schmitten.

Die Zukunft der Freiwilligendienste 

„Ich glaube, dass wir an einem Wendepunkt stehen“, meint Mathias Schmitten. „Wir sind in der Situation, dass Fördergelder, mit denen wir gerechnet haben, im aktuellen Bundeshaushalt nicht gewährt wurden“. Er sei aber zuversichtlich, dass die hohe Qualität der Arbeit aufrechterhalten werden kann. Die Freiwilligendienste der Diakonie RWL seien „mit einem tollen Team an Referentinnen, Referenten und Verwaltungskräften“ gut aufgestellt. Wichtig sei, die Anzahl der Freiwilligen stabil zu halten und die Zusammenarbeit mit den Einrichtungen bei der Öffentlichkeitsarbeit und Akquise zu stärken. 

Mit Blick auf die weitere Entwicklung spricht sich der neue Leiter des Zentrums Freiwilligendienste der Diakonie RWL dafür aus, auf bestimmte Gruppen gezielter einzugehen. Als Beispiele nennt er benachteiligte junge Erwachsene mit besonderem Förderbedarf, die im Projekt 'move' begleitet werden oder Freiwillige aus dem Ausland. Zudem sollten ältere Freiwillige vermehrt angesprochen werden. Zurzeit sind nur sechs Prozent der Freiwilligen bei der Diakonie RWL über 27 Jahre. Mathias Schmitten zeigt sich überzeugt, dass der Anteil der älteren Freiwilligen in Zukunft steigen wird. 

Mathias Schmitten hofft auch, dass ein Freiwilligendienst noch attraktiver gestaltet werden kann. „Wir brauchen eine noch bessere Anerkennungskultur“. Und er nennt konkrete Beispiele: „Ein freies Ticket für Freiwillige und mehr Spielraum bei der Bemessung des Taschengeldes oder der Bereitstellung einer Unterkunft. Denn, „Engagement ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist etwas tolles, das ist großartig, wenn sich jemand einbringt und etwas tut.“

Text und Fotos: Christian Carls