18. Juli 2019

Blitzlichter aus den Seminaren / Seminargruppe W1801

„Ich im Freiwilligendienst“

In der letzten Seminarwoche der Gruppe W1801 ging es um Abschied, vor allem um Abschied der Teilnehmenden voneinander. Letzte Gelegenheiten, noch einmal gemeinsam Themen zu diskutieren, zu erzählen und zu spielen. Und am vorletzten Seminartag ging es um einen frischen Rückblick auf Erfahrungen aus dem Freiwilligendienst.

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Jutta Elsässer

"Textbausteine-Werkstatt"

Bei der Textbausteine-Werkstatt werden Erfahrungen aus dem Freiwilligendienst mit Stichworten auf kleinen Kärtchen gesammelt, sortiert und in mehreren Etappen strukturiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind am Ende oft überrascht, wie leicht sich die Karten sammeln liesen - und wieviel sie in Ihrem Freiwilligendienst gemacht, an Kompetenzen gezeigt und gelernt haben.

Die Bausteine können als Grundlage für einen schriftlichen Text dienen. Erstes Ziel waren in dieser Werkstatt aber "Textbausteine im Kopf" als Basis für starkes und anschauliches Erzählen über den eigenen Freiwilligendienst. Vortrag und Feedback von der Gruppe vermitteln ein Gefühl dafür, was jede und jeder beim Erzählen über sich selbst erzählt.


Schreibwerkstatt

Ein anderes Format sind Schreibwerkstätten, bei denen es vorrangig um das kreative Schreiben geht. Mehr dazu findet sich in einer von André Knüdeler zusammengestellte Veröffentlichung mit zahlreichen Texten von Freiwilligen.
"Gemeinsam Wege finden. Junge Menschen aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr und dem Zivildienst schreiben über sich". Geest Verlag 2007, ISBN 978-3-86685-062-0. 
 

  • Gruppenbild
  • Tafel mit bunten Karten
  • Drei Frauen legen Karten auf einer Tischtennisplatte aus
  • Teilnehmende beschreiben Karteikarten
  • Teilnehmende beschreiben Karteikarten
  • Teilnehmende beschreiben Karteikarten
  • Teilnehmende beschreiben Karteikarten
  • Teilnehmende beschreiben Karteikarten
  • Karteikarten auf der Tischtennisplatte
  • Karteikarten
  • Spiel im Freien
  • Spiel im Freien
  • Tagungshütte
  • Tagungshaus
  • Portrait

Gelegenheiten zur Reflexion gab es in allen vorherigen Bildungstagen. Diesmal ging es vorrangig um die gekonnte Darstellung von Erfahrungen bei verschiedenen Gelegenheiten. Zum Beispiel in Bewerbungsgesprächen. Oder wenn später neue Kollegen fragen, wie der Freiwilligendienst war. Oder eine Führungskraft im Fahrstuhl zwischen erster und dritter Etage, die vielleicht bei Schritten nach dem Freiwilligendienst unterstützen kann. Dann sind spontane Themenwahl und pointiertes Erzählen gefragt.

Teilnehmende beschreiben Karteikarten

Textbausteine-Werkstatt

Bildungsreferent Christian Carls führte durch den Tag und erklärte das Ziel: Am Ende sollten alle eine Auswahl an Textbausteinen im Kopf haben, vorstrukturierte Antworten zu Fragen nach „meinem Freiwilligendienst: Was habe ich gemacht? Gelernt? Gezeigt?“

Dazu hatte er tausend kleine Karten im Format A8 mitgebracht, 50 für jeden Teilnehmenden. „Die Karten müssen so klein sein, da sollen nur Stichworte drauf. Und so entsteht keine Versuchung, beim Sammeln auch schon Formulierungen aufzuschreiben“ erklärte er. Denn das stört den kreativen Fluss – der dann in kleinen Gruppen schnell entstand, am Tisch im Seminarraum, auf der Tischtennisplatte oder auf einer Bank im Gelände rund um das Tagungshaus. Für viele Teilnehmende überraschend, entstanden immer mehr beschriftete Karten zu Erfahrungen aus dem Freiwilligendienst. Christian Carls musste bald rumgehen und frische Karten nachliefern. 

Karteikarten

Dann, in einer zweiten Etappe, wurden die gesammelten Karten mit Unterstützung anderer Teilnehmer ausgelegt, sortiert, vermehrt und aussortiert. Am Ende hatten alle eine strukturierte Stichwortsammlung mit vielfältigen Perspektiven auf ihr Jahr im Freiwilligendienst. 

Gruppenbild

Die Seminargruppe W1801

Material für starke Auftritte

Ausgewählte Textbausteine konnten vor der Gruppe vorgetragen werden. „Beim Erzählen über andere erzählt ihr immer auch über euch selbst“, erklärte Referent Christian Carls, und ermunterte die Teilnehmenden, Geschichten zu wählen, in dem sie etwas von ihrem „idealen Ich“ zeigen. Dann gab es noch Tipps für einen guten Auftritt vor einer Gruppe. „Kennt ihr euer Standbein“ fragte Christian Carls und nach einigen vergleichenden Versuchen im Stehen auf einem Bein hatten sich alle für eins entschieden. 

Am Ende kannten alle Beteiligten nicht nur ihr momentanes Standbein, sondern auch eine kreative Methode zum Vorstrukturieren von Texten oder kleinen Vorträgen - und viele persönliche Textbausteine zum Thema „Ich in meinem Freiwilligendienst“. 

Kurzweilige Geschichten

Die meisten Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, eine Geschichte zu teilen und sich zu erproben, mit einem Auftritt vor sehr aufmerksamem  Publikum. Dabei half, dass alle Geschichten anschaulich, pointiert und interessant waren. Gorans Geschichte zum Beispiel aus seinem Dienst in einem Tagestreff für Wohnungslose. „Ein Gast erzählte mir, dass er später einen Termin für eine Wohnungsbesichtigung hat, für eine eigene Wohnung“. „Lass uns da noch etwas für dein Outfit tun“ schlug Goran ihm vor und ging mit ihm in die Kleiderkammer, um in Ruhe die perfekte Kleidung zusammenzustellen. Die Wohnung hat er dann bekommen. „Darüber hatte ich mich riesig gefreut“, erzählt Goran.

Oder Alfredas Geschichte über Erlebnisse im Altenheim. „Die Bewohner mögen mich eigentlich alle“ berichtet sie, auch die vielen Bewohnerinnen und Bewohner mit Demenz, zu denen sie einen guten Kontakt fand. „Bis auf eine, die mochte mich von Anfang an nicht“, erzählt sie – und wie es ihr dann doch gelungen war, einen Zugang zu erschließen.  


» Video: Beispiel für einen Auftritt vor der Gruppe


Portrait

André Knüdeler und Jutta Elsässer

Seminarleiter André Knüdeler, auf dem Foto mit Seminarleiterin Jutta Elsässer, konnte in einer Pause selbst eine Geschichte beitragen: „Ich hatte als 17-jähriger Schüler einen Nebenjob gesucht und landete, mehr aus Zufall, in einem Altenheim bei mir um die Ecke. Im Gespräch vorab betonte die Heimleitung, dass ich es dann auch mit ,Fäkalien' zu hätte ... Ehrlich gesagt, ich hatte zu diesem Zeitpunkt eine unklare Vorstellung darüber, was das sein sollte. Der Begriff gehörte nicht zu meinem gebräuchlichen Wortschatz. Immerhin, ich hatte so eine vage Vermutung. So saß ich tags darauf bei meinem Vorstellungsgespräch im Schwesternzimmer. Eine sehr alte Dame trottete herein, schlurfte auf mich zu, beugte sich tief zu mir herab, fast Nase an Nase, schaute mir glasig in die Augen und sagte: „Ich hab' Angst!“ und wieder „Ich hab' Angst!“, „Ich hab' Angst!“ Oh klasse, ich dachte „Ich auch!“ und rutschte tiefer in meinen Stuhl hinein. Am liebsten wäre ich sofort aufgesprungen und abgehauen. Bin ich aber nicht. Und das war gut so.“ André Knüdeler hatte später, vor seinem Einstieg bei den Freiwilligendiensten, fast 20 Jahre in der Pflege gearbeitet. Die Geschichte ist auch veröffentlicht, sie findet sich in einem Buch mit vielen Erzählungen von Freiwilligen zu Erfahrungen aus ihrem Dienst (mehr dazu im Infoblock).


Beispiel für die Präsentation eines Textbausteins

"Ich im FSJ/BFD"