Das Modellprojekt REAL: Neuer Rahmen für Engagement im Alter

Wie finden Menschen im Alter leichter Zugang zu neuen Kontakten, Aktivitäten und gesellschaftlicher Teilhabe? Und wie kann der Bundesfreiwilligendienst zu einem attraktiven Engagementformat für Menschen ab 60 werden?

Das Modellprojekt REAL verbindet beide Fragen. Menschen ab 60 übernehmen eine neue Rolle als Begegnungslots*innen. Sie gehen auf andere ältere Menschen zu, erkunden mit ihnen Möglichkeiten im Stadtteil und bringen Menschen mit ähnlichen Interessen zusammen. Den verlässlichen Rahmen dafür bietet in erster Linie ein Bundesfreiwilligendienst. Daneben sind auch freiere Formen der Mitwirkung möglich.

REAL steht für „Neuer Rahmen für Engagement im Alter".
 

Zwei neue Ansätze

REAL erprobt zwei miteinander verbundene Ansätze:

Eine neue Form der Begegnungsarbeit

Begegnungslots*innen sprechen Menschen in ihrer eigenen Altersgruppe an. Sie hören zu, erkunden Interessen und begleiten gemeinsame erste Schritte. Dabei geht es nicht darum, Menschen möglichst schnell an ein vorhandenes Angebot zu vermitteln. Gemeinsam wird herausgefunden, was passen könnte. Wo geeignete Möglichkeiten fehlen, können auch kleine neue Aktivitäten entstehen.
 

Ein neuer Zugang zum Bundesfreiwilligendienst

Der Bundesfreiwilligendienst steht Menschen jeden Alters offen, wird bislang aber nur selten von Menschen ab 60 genutzt. REAL erprobt einen Rahmen, der verbindliches Engagement und Gestaltungsspielräume zusammenbringt: mit einer klaren Aufgabe, einem festen Zeitbudget, fachlicher Begleitung, Fortbildungen und einem Team im Rücken.
 

Warum ein Modellprojekt?

Für die neue Rolle gibt es noch kein fertiges Rezept. Die Begegnungslots*innen entwickeln ihr Vorgehen gemeinsam mit den beteiligten Einrichtungen und dem Projektteam weiter.

Sie erkunden Treffpunkte und Gruppen, sammeln Erfahrungen mit ersten Besuchen und beobachten, was neuen Teilnehmer*innen den Einstieg erleichtert oder erschwert. Ihre Rückmeldungen helfen den Einrichtungen, Zugänge und Angebote weiterzuentwickeln.

Die Erfahrungen der verschiedenen Standorte werden regelmäßig gemeinsam ausgewertet. So sollen übertragbare Antworten auf zwei Fragen entstehen:

  • Wie kann zugehende Begegnungsarbeit durch ältere Menschen gelingen?
  • Welche Rahmenbedingungen braucht ein attraktiver Bundesfreiwilligendienst ab 60?
     

Gemeinsam lernen und weiterentwickeln

Die Begegnungslots*innen der verschiedenen Standorte bilden ein gemeinsames Team. Sie tauschen Erfahrungen aus, entwickeln Ideen und reflektieren schwierige oder besonders gelungene Situationen. Begleitende Qualifizierungen greifen Fragen auf, die sich aus der praktischen Arbeit ergeben.

Auch die beteiligten Einrichtungen und kommunalen Partner werden in die Auswertung einbezogen. Zusätzlich soll ein Projektbeirat mit Perspektiven aus Fachpraxis, Wissenschaft, Kommunen und der Lebenswelt älterer Menschen die Entwicklung des Projekts begleiten.
 

Standorte und Kooperationspartner

REAL wird in Düsseldorf und Ratingen erprobt. Die Standorte bringen unterschiedliche Erfahrungen, Strukturen und Bedingungen mit. Dadurch lässt sich untersuchen, welche Vorgehensweisen sich bewähren und was jeweils vor Ort angepasst werden muss. Eine Ausweitung der Standorte ist möglich.

Düsseldorf

In Düsseldorf arbeitet REAL mit der Diakonie Düsseldorf und ausgewählten zentren plus zusammen. Die zentren plus bieten in verschiedenen Stadtteilen Beratung, Begegnung, Aktivitäten und Möglichkeiten zum Engagement. Sie werden von der Landeshauptstadt Düsseldorf gefördert.

Ratingen

In Ratingen beteiligen sich zwei Einrichtungen:

  • das FORUM.Lotsenpunkt, ein Gemeinschaftsprojekt des SkF Ratingen, des Caritasverbands im Kreis Mettmann und der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul
  • das Haus Salem-Lintorf der Kaiserswerther Diakonie.


Beide Einrichtungen verfügen über unterschiedliche Angebote, Zugänge und Netzwerke. Das Projekt wird fachlich von der Stadt Ratingen unterstützt.
 

Träger und Koordination

Träger des Modellprojekts ist das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e. V. – Diakonie RWL.

Das Zentrum Freiwilligendienste der Diakonie RWL koordiniert das Projekt. Es gewinnt und begleitet die Freiwilligen, organisiert den Bundesfreiwilligendienst und die gemeinsamen Bildungstage, unterstützt die Zusammenarbeit an den Standorten und wertet die Projekterfahrungen aus.
 

Förderung

Das Modellprojekt wird aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie durch die Stiftung Deutsches Hilfswerk gefördert.

Weitere Mittel stammen aus Kollektenmitteln der Evangelischen Kirche im Rheinland und aus Eigenmitteln der Diakonie RWL.

Die Bundesfreiwilligendienste der Begegnungslots*innen werden anteilig nach den regulären Bedingungen des Bundes gefördert.
 

Laufzeit

Das Projekt läuft vom 1. Juni 2026 bis zum 31. Dezember 2028.

Die Begegnungslots*innen beginnen ihre Tätigkeit ab Oktober 2026. Die praktische Erprobung an den Standorten läuft bis September 2028. In den letzten Projektmonaten werden die Erfahrungen vertieft ausgewertet und für andere Träger, Einrichtungen und Kommunen aufbereitet.
 

Was aus dem Projekt entstehen soll

REAL entwickelt zwei Innovationen, die bislang vielfach fehlen: eine zugehende Peer-Arbeit für die Senior*innen- und Quartiersarbeit – und ein Engagementformat, das älteren Menschen eine feste, gestaltbare Rolle bietet. Beides ist von Anfang an auf Verbreitung angelegt: Was sich in Düsseldorf und Ratingen bewährt, soll andernorts übernommen werden können.

Am Ende stehen praxiserprobte Bausteine, die auch an anderen Orten genutzt und angepasst werden können. Dazu gehören:

  • ein Rollenprofil für Begegnungslots*innen 60plus,
  • erprobte Wege, um ältere Menschen anzusprechen und zusammenzubringen,
  • Erkenntnisse über zugängliche und aufnahmefreundliche Angebote,
  • Qualifizierungs- und Begleitungsbausteine,
  • Empfehlungen für einen BFD 60plus,
  • Beispiele für kleine, unkomplizierte Begegnungsangebote.

So soll REAL dazu beitragen, neue Wege zu Kontakten und Teilhabe zu öffnen – und zugleich den Bundesfreiwilligendienst als Engagementmöglichkeit im Alter bekannter und zugänglicher zu machen.