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23. Juli 2017

Ein Jahr Freiwilligendienst: Laura Schäfer

„Ich habe etwas geschafft, worauf ich mein ganzes Leben lang stolz sein kann!“

Laura Schäfer hat ihren Freiwilligendienst im Café „BON“ gemacht. Das Café im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bad Kreuznach ist ein Treffpunkt zur zwanglosen Begegnung von Menschen aus Bad Kreuznach und Neuankömmlingen aus aller Welt. In ihrem Beitrag erzählt sie, wie sie dazu gekommen ist und welche Erfahrungen sie gemacht hat. 

Nach meinem Abitur wollte ich nicht direkt in die Ausbildung gehen, ich wollte eine Pause vom schulischen Lernen haben, wollte die Zeit aber nicht „verschwenden“.
Durch meinen Vater kam ich auf die Idee, ein FSJ zu machen, die Frage war nur wo.
In der 10. Klasse habe ich ein soziales Praktikum absolviert, welches ich im Pfarramt für Ausländerarbeit machte. Da mich das Pfarramt in der 10. Klasse schon faszinierte, entschloss ich mich dazu, länger als nur 2 Wochen dort zu arbeiten und dort ein FSJ anzufragen. Als ich den Chef des Pfarramts zufällig in der Stadt traf, fragte ich ihn bei der Gelegenheit, ob er noch jemanden für ein FSJ suche. Er meinte, ich solle ihm eine Bewerbung schicken.

Gesagt, getan.

Ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Bei dem Gespräch wurde mir erklärt, dass die Stelle im Pfarramt selbst schon besetzt ist, aber im neuen Projekt „Aktiv für Flüchtlinge“ eine Stelle geschaffen werden könnte. Das Projekt ist die Ehrenamtskoordination in der Flüchtlingsarbeit im Landkreis Bad Kreuznach. Nach dem Gespräch waren alle einverstanden, dass ich dort ein Praktikum machen kann, um zu sehen, ob mir diese Arbeit gefällt.

Eine Woche später ging es mit dem Praktikum los. Mein erster Tag war ein Mittwoch, das heißt für „Aktiv für Flüchtlinge“: BON-Café! Das BON-Café ist eine Begegnungsstätte für Menschen mit Fluchtbiografie, ehrenamtlich Aktive und Interessierte. Ich war ein wenig überfordert, weil so viele Menschen dort waren und viele Anfragen an mich hatten: Deutsch üben, Karten spielen, Behördenschreiben ausfüllen, Sachen kopieren usw. Aber am Ende des Tages wusste ich, dass diese Arbeit mir Spaß machen wird. Für mich war schon klar, dass ich dieses FSJ machen möchte. Nach dem Praktikum sagten mir die Projektleiterinnen, dass sie mich gerne als FSJlerin hätten.

Papiere ausgefüllt, abgeschickt und los ging’s.

Jetzt ist schon ein Jahr rum und ich muss sagen, dass die Zeit wie im Flug verging. LEIDER!

Aber ich muss auch sagen, ich hätte dieses Jahr nicht besser verbringen können.
Durch die Arbeit habe ich so vieles gelernt und etwas geschafft, worauf ich mein ganzes Leben lang stolz sein kann.
Viele denken sich jetzt bestimmt: „Was kann man denn schon in einem Jahr lernen?“
Naja erstens hat die Arbeit mir geholfen, meine bereits vorhandenen Stärken zu verbessern. Ich bin selbstbewusster geworden, weil ich gemerkt habe, dass ich nützlich bin und Menschen gerne mit mir zusammenarbeiten. Zudem habe ich gelernt, wie einfach es sein kann Veranstaltungen, Fortbildungen oder Aufgaben zu organisieren, wenn man alle Tricks und Kniffe kennt. 

Übung macht die Meisterin!

Im Laufe des Jahres habe ich auch gemerkt, wie ich an Reife gewinne, auf einmal hatte ich nicht nur Verantwortung für mich selbst, sondern auch für mein Team und viele weitere Menschen. Am Anfang hatte ich Angst davor, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es mir gut tut, eine wichtige Aufgabe zu haben.
Schon im Voraus wusste ich, dass ich in diesem Jahr viel Kontakt mit geflüchteten Menschen haben werde. In meinem privaten Umfeld gab es ein paar Menschen, die nicht so begeistert von meiner zukünftigen Arbeit waren, weil sie Vorurteile diesen Menschen gegenüber hatten. Ich dachte immer, dass ich ein Mensch bin, der keine Vorurteile hat und Anderen immer offen gegenübertritt. Leider musste ich erkennen, dass auch ich einige Vorurteile geflüchteten Menschen gegenüber hatte und deswegen auch ein wenig Zeit brauchte, um mich auf die Arbeit vollkommen einzulassen. 
Das beste Beispiel dafür ist mein Moschee-Besuch: Ich dachte immer, dass die Moschee ein Ort ist, an dem nur gebetet wird und an dem noch alles „altmodisch“ abläuft. Muslimische Männer, die in ihren traditionellen Gewändern dort hingehen, ernst gucken, beten und wieder nach Hause gehen. Ich war erstaunt, als ich diese Moschee in Bad Kreuznach betrat, man stand in einem Raum, in dem ein Fernseher hing, auf dem ein Fußballspiel gezeigt wurde, die Menschen sich lautstark unterhielten und lachten! Für mich passte das gar nicht zusammen, aber der Vorstandsvorsitzende erklärte mir, dass „Moschee“ übersetzt „ein Ort, an dem man sich trifft“ bedeutet. Natürlich wurde dort auch gebetet, dafür ist man dann in einen mit Teppich ausgelegten Raum gegangen, vor dem man die Schuhe auszieht.
Aber je mehr Menschen ich kennenlernte und je mehr ich über die verschiedenen Länder lernte, desto mehr bauten sich meine Vorurteile ab.

[... Der ungekürzte Bericht als PDF]