14. Dezember 2019

Exkursion nach Berlin

Die Diakonie RWL bietet Freiwilligen im Rahmen der Bildungstage immer wieder die Gelegenheit zu interessanten Exkursionen. „Ich habe noch nie erlebt, dass eine so vielfältige Gruppe so eng und auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden war“, erzählt ein Teilnehmer einer Exkursion nach Berlin. Weitere Berichte von Freiwilligen, die im November 2018 an dieser Fahrt teilgenommen hatten. 

Gruppe, auf Treppe sitzend
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Geschichte empfinden

Geschichten werden erzählt und Geschichte wird gelehrt, aber nichts kann das Gefühl übertreffen, sich an einem Ort zu befinden, an dem Geschichte tatsächlich stattgefunden hat. Im letzten Herbst reisten wir als BFD-Gruppe mit drei Begleiterinnen zu einer Bildungsreise nach Berlin. Wir besuchten den Bundestag und sahen berühmte Monumente wie das Brandenburger Tor. Was ich dort gesehen und gehört habe, über Kriegsgeschichten, über den Holocaust, über die Mauer, den Tränenpalast und das Stasi-Gefängnis hat mir große Tränen in die Augen gerissen.

Bethah Thubelihle Ndlovu

Spaß miteinander mit aller Unterschiedlichkeit

In der Vorbereitung zu der Fahrt nach Berlin wurde gefragt, wer von uns schon einmal in Berlin war und was wir mit der Stadt verbinden. Die erste Frage musste ich verneinen, was sich für mich ein bisschen komisch angefühlt hat. Ich war noch nie in „meiner“ Hauptstadt.

Nach einem sehr langen Tag mit Besuch im Reichstag und Tränenpalast habe ich spät nachmittags mit ein paar Leuten aus unserer Gruppe noch die Holocaust-Gedenkstätte besucht. Die Schicksale, die man dort nähergebracht bekommt, gingen mir sehr nahe. Es hat mich zu Tränen gerührt, zu sehen was Menschen aus purem Hass anderen Menschen antun können. Besonders traurig stimmte mich, dass es hier in Deutschland immer noch Menschen gibt, die diese unglaublichen Verbrechen der Nazis leugnen oder weiter hetzen gegen Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, weil sie die „falsche“ Nationalität oder Religion haben. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf macht es mich aber auch ein bisschen stolz, diese Reise nach Berlin mit unserer kleinen Reisegruppe mitgemacht zu haben, zu der Menschen aus über zehn verschiedenen Ländern, von fast jedem Kontinent der Welt, gehörten. Man konnte in unserer Gruppe sehr gut sehen, dass wir gar nicht so verschieden sind. Auch wenn wir unterschiedliche Sprachen sprechen oder eine andere Hautfarbe haben, sind wir als erstes Menschen, die Spaß miteinander haben können, trotz der Unterschiede.

Thomas Hlusiak

Großes Vernetzungspotential

„Die Plätze sind reserviert! Wagennummer und Sitzplatznummern! Sie müssen nach 10 Minuten in Besitz genommen sein, sonst verfallen sie. Ihr dürft auf keinen Fall verspätet sein! Ihr könnt dann nur noch auf eigene Kostennachreisen!”...klang der Wortlaut noch immer in meinen Ohren nach, als es endlich losgehen sollte. Jetzt das! Die kleine 6-köpfige Düsseldorfer Zusteiger-Gruppe zu der ich an diesem Morgen gehörte, hatte doch kurioserweise tatsächlich vollbracht, was einfach nicht hatte passieren dürfen! Der Zug, aus Köln kommend mit Gruppenleitung und Gruppentickets und Gruppe an Bord, schließt seine Türen vor unserer Nase und fährt ohne uns - uns ungläubig am Gleis zurücklassend - weiter Richtung Berlin. Katastrophe. Anflug von Panik. Verzweiflung. Dann tritt das ein, was ein jeder, der morgens auf die Bahn angewiesen ist, schlicht für ein Märchen halten wird. Der Bahnmensch, welcher das Abfahrtsignal für unseren Zug gegeben hatte, erfasste blitzschnell die Situation und ganz Herr der Lage, mit einem jovialen Lächeln im Gesicht und ohne großen Aufsehens, setzt er uns kurzerhand in den nächsten ICE der dort am Gleis gegenüber schon abfahrbereit steht. Somit waren nun zwei einander, in kurzem Abstand aufeinanderfolgende Züge auf dem Weg nach Berlin und wir kamen dort nicht ganz, aber doch beinah- zur gleichen Zeit gemeinsam an. Der Rest ist kurz erzählt :-) Das Programm war sehr dicht, aber keinesfalls zu dicht. Man hatte genug Zeit und Raumeigene Dinge zu unternehmen. Es bestanden Wahlmöglichkeiten für unterschiedliche Tagesgestaltung, an den Abenden, spätestens nach gemeinsamem Essen, sowieso. Ich glaube alle waren zufrieden mit den Angeboten. Für jeden war etwas dabei.

Was für mich persönlich einen ganz besonderen Stellenwert hat und ich glaube auch für viele aus der Gruppe sprechen zu können, das waren die tolle Stimmung und das gemeinsame Miteinander der Gruppe. Ich habe noch nie erlebt, dass eine so vielfältige Gruppe mit doch so unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen persönlichen Hintergründen so eng und auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden war. Fast alle sind auch noch in der gemeinsamen Whattsappgruppe geblieben. Rein beruflich betrachtet steckt auch ein großes Potential darin, mit Menschen vernetzt und befreundet zu sein, die fast alle in irgendeinem „helfenden Beruf“ tätig sind, sogar überviele Länder hinweg. Ich hoffe sehr und wünsche mir von Herzen, dass jeder der hier mitgemacht hat, die Chance und die Unterstützung erhält beruflich Fuß zu fassen. Das niemand für die Zeit danach, nicht weiß wie es weitergehen soll.

Tobias Berchter