7. Februar 2019

Freiwilligendienst auf der Palliativstation

Irene Gillenberg hat 35 Jahre als Krankenschwester gearbeitet. Jetzt, im Ruhestand, macht sie einen Bundesfreiwilligendienst (BFD Ü27). Eine Möglichkeit, für die sich zunehmend auch Rentner interessieren. Irene Gillenberg arbeitet sogar genau dort, wo sie früher hauptamtlich tätig war - auf der Palliativstation der Sana-Klinken in Remscheid. Ein Rollenwechsel, der funktioniert.

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Irene Gillenberg

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BFD im Ruhestand: Irene Gillenberg

Irene Gillenberg hat ihre Arbeit als Krankenschwester immer geliebt. Nur mehr Zeit für Gespräche mit den Patienten hat sie sich oft gewünscht, besonders in den letzten Jahren auf der Palliativstation und mit Patientinnen und Patienten, denen Medizin und Pflege oft keine Heilung mehr bieten kann. Denn das Zuhören-können ist eine ihrer großen Stärken, wie Kolleginnen bestätigen.

Gaben neu einbringen

Jetzt, als Freiwillige auf der Station, kann sie diese Gabe weiter einbringen. Zuerst hatte die 66-Jährige, die sich auch im Hospizverein engagiert, an eine ehrenamtliche Tätigkeit gedacht. Aber dann hat sie sich bewusst für einen Bundesfreiwilligendienst entschieden, in Teilzeit, mit 25 Stunden die Woche. Eine Möglichkeit, die inzwischen auch Rentnerinnen und Rentner nutzen und die im Rahmen des Programms „Engagierter Ruhestand“ sogar von großen Unternehmen wie der Post und der Telekom gefördert wird.

Eingang der Klinik

Ohne Zeitdruck beim Patienten

Die 250 Euro, die sie dafür im Monat als Taschengeld erhält, "sind schön, aber nicht der Grund", erklärt sie. Noch wichtiger sind ihr der klare Rahmen und die kollegiale Einbindung ins Team. Ihre Arbeitszeiten sind fest, aber anders als früher jetzt frei gewählt. "Ich komme gegen halbzwölf, gehe durch jedes einzelne Zimmer, begrüße jeden Patienten, frage nach den Wünschen, mache Handreichungen oder Besorgungen" erzählt sie.

Als Freiwillige darf sie viele pflegerische Tätigkeiten, die sie früher ausgeführt hat, nicht mehr tun. Gibt es da keine Rollenkonflikte? "Nein", sagt Irene Gillenberg. Sie arbeitet den ehemaligen Kolleginnen zu und übernimmt, was "diese aus zeitlichen Gründen vielleicht nicht machen können". Und sie genießt ihre neue Freiheit: "Ich kann mich ohne Zeitdruck an ein Patientenbett setzen, ich kann die Hand halten, ich kann etwas erzählen, ich kann etwas erfragen und höre viel. Ich habe die Zeit - ich mach das einfach gerne".

Portrait

"Freiwillige brauchen Freiräume"

Dabei hilft die klare Haltung der Stationsleiterin Eva-Jennifer Friese, der Freiwilligen den Freiraum zu gewähren. "Freiwillige brauchen Freiräume", erzählt sie. Das gelte für einen Freiwillige im Ruhestand noch mehr: "Irene hat ihren Ruhestand verdient, ich wollte nicht, dass sie wieder in den normalen Krankenhausalltag mit viel Stress reingezogen wird. Darum soll sie nur Sachen machen, die sie auch möchte". 

Und das sind für Irene Gillenberg jetzt die geduldigen Gespräche oder ein Entspannungsangebot mit meditativer Musik und einfachen Entspannungstechniken, das sie täglich begleitet. In der Regel kommen fünf oder sechs Patientinnen und Patienten, legen sich auf Matten oder machen es sich auf einem Stuhl bequem. Ihre ruhige Stimme kommt bei den Teilnehmenden gut an. "Es ist schön zu erleben, wie gelöst alle am Ende der Entspannung wirken. Eine Patientin schläft oft dabei ein, das hat mich am Anfang verunsichert, aber inzwischen weiß ich, dass sich bei ihr so die tiefe Entspannung zeigt", erzählt sie.

Mit Hund auf dem Schoß

Wehmut

Irene Gillenbergs Jahr im Bundesfreiwilligendienst endet im August. "Wenn ich darüber nachdenke, bin ich jetzt schon traurig, dass die Zeit dann vorbei ist", meint sie. "Jeden Tag, den ich bislang hier war, habe ich als ein kleines Geschenk empfunden."

Die neue Rolle im Freiwilligendienst ist genau ihr Ding – "mehr Freiheiten und mehr Zeit für Gespräche - aber doch fest eingebunden". Sie überlegt, sich nach dem BFD weiter ehrenamtlich einzubringen. Aber anders wird es sein,  da ist sie sich jetzt schon sicher.

Text, Fotos und Video: Christian Carls