28. Juni 2019

Blitzlichter aus den Seminaren: Berlinexkursion, Mai 2019

Streetart Tour in Berlin

Berlin, 10 Uhr, Alexanderplatz. Während die Sonne über der Stadt aufgeht ist die Exkursionsgruppe Berlin bereits unterwegs. Auf dem Tagesprogramm befindet sich der erste Punkt - Streetart Tour durch die Hauptstadt. 

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  • Gruppenbild

Am "Alex" vor dem Berliner Fernsehturm steht die Gruppe bereits in den Startlöchern, als ein junger Mann erscheint. Kurze Hose, Sweatshirt, das bei 8 Grad am Morgen in der Stadt. "Ick bin der Kai, wir schauen heute auf die streetart Szene hier in Berlin". Beginnend direkt am Alexanderplatz, dem Mittelpunkt Berlins startet die Tour, größtenteils durch den ehemaligen Ostsektor der Bundeshauptstadt.

An eine Betonwand gemalt: Mann mit Handschellen

Politische Bilder – aber was sagen sie aus?

Entlang der S-Bahn Brücke, Streetart in Form von Graffiti, Statuen bis hin zu angehängten Gemälden. Illegal an diesem Standort, wie uns Kai, unser Guide, später erklärt. Hier muss es schnell gehen, die Künstler machen sich strafbar, anders als an geduldeten oder sogar erwünschten Bereichen, wie wir erfahren. Und dennoch - neben vereinzelter "Schmierereien" finden sich doch viele politisch oder sozialkritisch geprägte Anfertigungen von Straßenkünstlern, deren Bedeutung oft reiner Mutmaßung obliegt.

Gerade, dass es verboten ist macht den Reiz für viele der Künstler aus, welche oft aus den verschiedensten sozialen Schichten entstammen, so unser Guide.
 

Hinterhof

Schwarzenberg

Danach werden wir zum Haus Schwarzenberg geführt, in einen ganz besonderen, unscheinbar wirkenden Hinterhof. Der Name des Hauses erinnert an den Landkreis Schwarzenberg, der am Ende des zweiten Weltkriegs als einziger Bezirk nicht besetzt wurde. Sozialdemokraten, Kommunisten und KZ-Überlebende bildeten ein Komitee, welches die Nazis vertrieb. Für sechs Wochen entstand dort die "freie Republik" Schwarzenberg, bevor russische Truppen es doch noch besetzten.

In Seitenhöfen um das Haus Schwarzenberg ist Graffiti geduldet, sogar erwünscht. Die kompletten Hauswände sind besprüht oder bemalt, unzählige Motive, Kürzel (sog. "Tags") und politkritische Zeichnungen befinden sich an den Wänden.

Die Mauer erklimmen

Im Anschluss geht es, diesmal mit der Bahn, weiter in den Mauerpark, einem "Schrotthügel", aufgeschüttet aus Trümmern der Nachkriegszeit. Hier befinden sich Originalteile der Berliner Mauer, welche damals Ost- und Westberlin voneinander trennte. An dieser Stelle ist Streetart zwar nicht explizit erlaubt, die Polizei sehe aber einfach nicht so genau hin, so Kai. Die Motive wechseln ständig, die Location ist bekannt und beliebt. Nach reiflicher Betrachtung der Fotos beschließen einige Freiwillige aus der Gruppe, die Mauer einmal selbst zu erklimmen, diesmal allerdings von der Westberliner Seite.
 

Eigenes Kunstwerk

Zum Abschluss der Tour werden wir in einen unscheinbar wirkenden Hof geführt, hier sollen wir selbst aktiv werden.
Ein Streetartist erklärt uns nun, wie wir unser eigenes Kunstwerk mit Farbdosen und Schablonen auf eine große Stoffplane zaubern können.

Die Gruppe einigte sich auf das Thema "Grüne Musik" - und schon geht es los, "so, schon seit ihr Streetart-Künstler" sagt uns der Künstler der die Farbe und Schablonen bereitgestellt hat.

Nach einem letzten Foto vor dem vollendeten Kunstwerk endet unsere Tour, ein gelungener Vormittag, die Streetart-Tour in Berlin.

Text: Simon Busch
Foto mit Streetart in Berlin-Kreuzberg:  Ohuizinga/Wikimedia Commons
Foto Hinterhof Haus Schwarzenberg: MarkAhsmann/Wikimedia Commons